Weihnachtszauber in Gamla Stan

Fragst du mich bei einer Tasse Kaffee nach der schönsten Jahreszeit für eine Reise in eine bestimmte Regionen oder eine bestimmte Stadt, werde ich in den meisten Fällen meine klare Meinung haben.

„New York natürlich im Herbst, wenn der Central Parc für deine Augen einen wahren Farbenrausch in gelb-rot-orange herbeizaubert.“

„Doch Rom auf keinen Fall im Hochsommer, wenn dich die Hitze in den Strassen der Stadt geradezu erdrücken will und die Hauptader der gehetzten Touristenströme wie eine Fernsteuerung dein nächstes Ziel zu bestimmen scheint. Ohne dich unterwegs noch mal nach deinen ursprünglichen Plänen zu fragen.“

Bei Stockholm ist das anders. Stockholm ist anders! In jedem Fall MEIN Stockholm.

Meine Antwort wird sich immer wandelbar-wankelmütig an meinem letzten Besuch orientieren und passend zu den frischesten Eindrücken, die sich im Kopf und im Herzen abgelegt haben, gelenkig verbiegen. Im Juni werde ich dir von nahezu endlosen Sommernächten oder vom Inselhopping durch die faszinierende Schärenwelt erzählen, in die du direkt aus der Mitte der Stadt per Fähre abtauchen kannst. Nach einem schmuddeligen Regenwochenende im Herbst wahrscheinlich von kuscheligen Cafés, von ausgiebigen Museumsnachmittagen und Lieblingsläden mit originellem nordischen Wohndesign und cooler Papeterie.

Fragst du mich heute, dann muss es natürlich Stockholm in der Vorweihnachtszeit sein. Wenn alle staunend um den imposanten Weihnachtsbaum am Mälarufer herumspazieren, sich von dem Duft gebrannter Mandeln ganz tief in die geschmückten und mit einladenden Lichtern verzierten Gassen der Stockholm Altstadt („Gamla Stan“) entführen lassen und auf dem kleinen Weihnachtsmarkt auf dem „Stortorget“ eins, zwei, drei Becher Glögg zum Aufwärmen schlürfen.

Und wann ist Stockholm DEINE Stadt?

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„Sommeråpent“, das hinterlistig-liebliche Wort der Norweger für „im Juli fast durchgängig geschlossen“

Eine der Eigenarten, welche ich an den Einwohnern meiner zumeist heißgeliebten norwegischen Wahlheimat ganz besonders schätze, ist ihre Fähigkeit, Dinge leicht und positiv zu nehmen und unbeirrt das (sicherlich erfrischende!) Halbvolle im Glas im Fokus zu behalten. Für eine Deutsche ganz schön schwierig, wenn man doch damit groß geworden ist, dass auch an der himmlisch schönsten Sache irgendwo ein Haken lauern muss. Auch wenn man ihn verdammt lange suchen muss. Irgendwo versteckt er sich und schlägt bestimmt eines Tages gnadenlos zu und beißt sich fest- und dann steht man da und hat es wenigstens vorher geahnt! Hab ich es denn nicht gesagt?

So ein Norweger* – vielleicht sogar „der“ Skandinavier? – ist bereit, das Schöne aufzuspüren, es freudig anzunehmen und auch am Nicht-ganz-so-Schönen Partikel von schön herauszuarbeiten. Das schlägt sich auch ganz eindrücklich in der Sprache selbst und in der Art, Information durch eine bejahende Formulierung hübsch zu verkleiden, wieder.

Ich erinnere mich gerne an die Probeveranstaltung für die Nordische Ski-WM, die vor ein paar Jahren diese wintersportverrückte Nation so stolz gemacht hat. Obwohl auch damals schon eine beachtliche Menschenmenge öffentlich zu den Sportstätten am nordwestlichen, höhergelegenen Ende der Stadt verfrachtet werden sollte, war noch während des Geschehens die nächste Haltestelle „Holmenkollen“  wegen einiger dekorativer Updates vor der Haupt-WM im Folgejahr für den S-Bahn-Verkehr (in Oslo „T-Bane“, mit T für Tunnel) gesperrt. Das stell dir jetzt mal bildlich bei uns vor!

Ein Großereignis, ein Skisprungstadion, viele Tausend Fans, keine Parkplätze und die nächste Haltestelle der Öffentlichen (für die etwas Unsportlichen unter uns) gut 30-40 Minuten Fußmarsch, steil bergauf und durch Schnee und Eis, vom Ort der Veranstaltung entfernt. Ein WM-Skandal? Meuterei der Besucher? Demütige Pressekonferenzen der Veranstalter? Alarmierende Artikel der Regenbogenpresse („Der Tag als ich für Petter Northug durch die Weiße Hölle ging“)? Weit gefehlt. Der Veranstalter hatte sympathische, warmeingepackte Freiwillige Helfer mobilisiert, die den Besucher am T-Bane-Ausstieg mit Schildern das  fröhliche Motto „Fit zur WM“ präsentierten. Die Deutsche in mir fand das ziemlich zynisch und frech, doch die Einheimischen nahmen den Impuls an und haben sich gutgelaunt ohne zu murren auf den schönen Schneespaziergang begeben. Was nützt es schließlich Zustände zu beklagen, die sich eh nicht werden ändern lassen? Da läuft man einfach los, saugt die fantastische Aussicht auf den vereisten Fjord im winterlichen Sonnenlicht in sich auf und fühlt die Kälte, wie sie einem lustig in die Nase beißt, und tut obendrein noch doppelt was für seine Gesundheit: weil man sich im Freien bewegt und weil man sich nicht aufregt. So eine fitte WM bekommt man als Zuschauer nur in Oslo geboten – man bedenke, dass in früheren Zeiten  die Vorväter und -mütter noch selbst auf Langlaufskiern durch den Wald zum Holmenkollen sausen mussten!

Nakholmen

Sommer auf der Lieblingsinsel im Oslofjord

In eine ähnliche Richtung arbeitet das Wort „sommeråpent“. Ich sage euch: ein ganz hinterlistiges Früchtchen! Es klingt ja zunächst Wort für Wort genommen wunderbar. „Sommer“ und „offen, geöffnet“, sozusagen „sommeroffen“, das klingt doch verführerisch nach Ferien, Freiheit, Freude und einem bunten Strauß an Sommerspäßen. Wer mag da schon den oben zitierten Haken vermuten? Der in Oslo lebende Ausländer weiß, dass das Wort im Zusammenhang mit diesen  speziellen Zustand im Juli verwendet wird, wenn so ziemlich alle Einheimischen gleichzeitig ihren Jahresurlaub am Stück nehmen und in Scharen für Wochen die Stadt verlassen. Die berühmten „Fellesferie“ – von manchen Firmen auferlegt, aber von vielen Arbeitnehmern auch freiwillig aus der Tradition heraus oder wegen der geschlossenen Kindergärten und Schulferien so genommen. Man fährt in dieser Zeit in die „Hytte“, also in das komfortable Holzhaus mit flinkem Internet und Digital-TV an der Küste oder im Gebirge. Also „back to nature“ auf hohem Niveau! Die meisten Familien nennen eine solche „Hytte“  ihr eigen. Viele Firmen haben aber auch solche Freizeithäuser, die sie nach bestimmten Auswahlverfahren an ihre Mitarbeiter günstig vermieten. Meist sind das Häuser in Norwegen, doch meine Firma hat z.B. Häuser in Marbella und Chamonix für ihre IT-Sklaven.

Der Rest, der im Juli nicht kollektiv in die „Hytte“ umzieht, begibt sich zu horrenden Flugpreisen (da ja alle gleichzeitig reisen) auf „Sydentur“. Man gibt hier also begrifflich freimütig zu, dass es um All inclusive, Sonne, günstigen Alkohol und Strände geht – egal wo, Hauptsache südlich von Kristiansand. Ob nun Italien, Spanien oder … macht nichts. Süden, „Syden“, halt.

Inselidylle mit Oslo im Hintergrund

Inselidylle mit Oslo im Hintergrund

Wegen der kollektiven Ausreise der Norweger aus der Stadt kann hier auch der Rest ohne jedes schlechte Gewissen in den Juli-Schlaf gehen. Behörden, Buslinien, Geschäfte, Coffee Bars. Hier wird nicht für die anfallende Haupttouristensaison aufgerüstet oder angepasst an die schönen, hellen Sommernächte die Öffnungszeit verlängert. Hier legt man alles auf Eis oder betreibt es zumindest am Rande des konsequenten Schließens auf Sparflamme.

Diese Sparflamme bezeichnet man mit dem legendären Begriff „sommeråpent“. Das Wort betont zwar in nordisch-positiver Art, dass was offen ist (trotz Sommer!). Doch in der Regel fasst es auf Schildern zusammen mit welchen nervraubenden Einschränkungen man als letzter zugereister Mohikaner im Sommer zu leben hat und markiert die kurzen Übergangsphasen zwischen „sommerstengt“ und „sommerstengt“, dem Gegenteil von „sommeråpent“. Da wirst du halt mal gegen 17h aus der coolen Kaffeebar neben dem Büro verwiesen, in der du jenseits der Juliflucht noch den halben Abend surfend deinen Café Latte hättest schlürfen dürfen. Und dann wartest du an der angrenzenden Haltestelle locker 20 Minuten auf deinen Bus, der sonst in der Rush Hour alle 3 Minuten vorbeieilt.  Dein Päckchen kannst du bei der Post dann natürlich nicht mehr abholen, wenn sich der Bus durch die ganzen Sommerbaustellen gequält – die Post schließt doch eh eine Stunde früher als normal.

Aber dann nimmst du das einfach mal ganz norwegisch. Genießt deinen Kaffee an der frischen Luft, setzt dich auf die Bank, packst das Buch aus und denkst dir beim Aufschlagen der angelesenen Seite „wie schön, dass noch so viel offen ist – und das mitten im Sommer!“

Hab einen tollen Juli!

Arendal

Sommer an der Südküste

 

Anmerkung zum Sternchen *:

Ihr wisst, es ist mir vollkommen bewusst, dass es auch davon fast 5 Millionen verschiedene gibt, mit allerlei persönlichen Eigenschaften und Charakteren. Aber es gibt ja schon so eine gewisse Grundidee, wie unterschiedliche Menschen einer Kultur, vielleicht sogar unbewusst und ungewollt, gemeinsam ticken und an die Welt herangehen. Verzeiht mir an dieser Stelle Verallgemeinerungen – ich überspitze bewusst, mit ganz viel Zuneigung und Respekt!

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Land in Sicht? Fjord in Sicht!

Manchmal hat das Schicksal und seine Wendungen, die es für dich in dein Leben einbaut, einen gepflegten Sinn für Humor, finde ich. Flåm? Das ist doch der Ort, an dem alles begann. Oder besser: der Ort an dem ich beschloss, dass und wo ES tatsächlich beginnen sollte. Im Jahr 2007 habe ich im Rahmen einer verlängerten Norway in a Nutshell-Tour (darüber werde ich noch einen eigenen Artikel schreiben – Geduuuuuld!) einige tiefenentspannte Sommertage am Fjord im winzigen Dörfchen Flåm verbracht. Mit einem riesigen Stapel Bücher, damals noch unzähligen, urzeitlichen Filmrollen und dem unbedingten Willen, mich maximal von frech lachenden Möwen über meinem Steg stressen zu lassen. Zeitlich zwischen einem bereits absolvierten und aussichtsreichen Jobinterview in Zürich und einem weiteren Bewerbungsgespräch in Oslo am Ende des Urlaubs mit noch offenem Ausgang. In Flåm kam schliesslich die E-Mail mit der Zusage aus Zürich an. Eigentlich das grosse Los für eine damals taufrische Studienabsolventin – eine Bewerbung, ein Interview, ein guter Job im Ausland, läuft bei mir! Doch die Tage in Flåm und die Sehnsuchtsgefühle, die Norwegen in mir geweckt hat, haben mich dazu gebracht, auf meinen Bauch zu hören und gegen jede Art von brauchbarem Verstand, in der Schweiz abzusagen und alles auf eine Karte bei dem kommenden Jobinterview (und den nachher folgenden Runden) in Oslo zu setzen. Gesagt, getan und am Schluss für meinen Irrsinn belohnt bin ich dann einige Wochen später zu meinem ersten Arbeitstag in Oslo angetreten und habe es so gut wie nie bereut seitdem.

Mai am Lusterfjord

Mai am Lusterfjord

Nun ist es fast schon ein wenig humoristisch, dass ausgerechnet Flåm wieder der Ort sein soll, an dem es an diesem Wendepunkt zumindest mittelfristig weiter geht und an dem die Dinge zu durchdenken, sortieren und wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen sind, oder? Genau jene Firma, für ich damals nach Flåm in Deutschland alles habe stehen und liegen lassen, stellt nun Ihren Betrieb in Norwegen ein und setzt viele von uns ausgewanderten Arbeitsmigranten aus der EU unsanft auf dem Boden der 2016er Tatsachen ab: Ölkrise, steigende Arbeitslosigkeit der hochqualifizierten Einheimischen und damit (verständlicherweise?) immer weniger Begeisterung dafür, Einwanderern eine Chance im Unternehmen zu geben. Für mich speziell heisst das nun, dass ich zwar im Jahr 2007 noch mit einer einzigen Bewerbung und ohne bedeutsame norwegische Sprachkenntnisse vom Fleck weg nach Norwegen geholt wurde, aber sich nun mit all der Berufserfahrung und norwegischen Kultur- und Sprachkenntnissen und nach gut 100 Bewerbungen einfach keine Anschlussbeschäftigung auftun mag.

Wohin jetzt?

Und nun…Wohin jetzt?

Da ich schon länger damit liebäugle, meine nordische Reiseleidenschaft und meinen Beruf noch weiter miteinander zu verschmelzen, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und mich im Frühjahr vermehrt für zeitlich begrenzte Tourismusstellen beworben, in denen auch deutsche Sprachkenntnisse eine Grundvoraussetzung sind. Ich habe so einige der zahlreichen Guide-Programme ins Auge gefasst oder mich über auch zeitlich begrenzte Stellen in international besuchten Museen und anderen Tourismus- und Kulturbetrieben informiert. Letztendlich hatte ich verdammtes Glück, und es ging noch kurz vor dem Absprung in den freien Fall der im letzten Artikel beschworene Fallschirm auf. Schon Mitte Mai geht es erstmal nach Flåm, wo ich für einige Monate genau das tun darf, was mir privat schon so viel Freude bereitet. Ich werde Touristen, die das Kundenzentrum von Visit Flåm besuchen, die schönsten Reisewege und Highlights der Region aufzeigen und -zeichnen und darf vielleicht sogar ein wenig an der Entstehung ihres perfekten Nordlanderlebnisses mitstricken. Vor dem Herbst muss ich dann  noch herausfinden, wie und wo es langfristig für mich weitergeht. Doch zunächst heisst es Fjord, Fjell und dort arbeiten, wo jährlich Tausende internationale Gäste versuchen, Norwegen perfekt komprimiert zu einer klitzekleinen Nussschale zu entdecken.

Lusterfjordidyll

Lusterfjordidyll

Wieso überrascht es mich eigentlich gar nicht, dass mir ausgerechnet jetzt die verknickten und aneinanderpappenden Papierfotos von Flåm aus dem besagten Sommer 2007 in die Hände fielen, als ich gestern verzweifelnd suchend einen Stapel lang schon nicht mehr beachteter Habseligkeiten aussortieren musste? Manchmal SOLL es vielleicht einfach so sein, wie es letztendlich gekommen ist, oder?

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Deutschland-Oslo langsam gereist – mit Fähre, Bus und Bahn den Vögeln hinterher

„Per Bus und Zug? Und wie viele Tage bist du diesmal unterwegs, du Verrückte? ICH könnte das nicht!“

So oder nur ganz leicht anders klingen meine Kaffeekränzchen, wenn ich mal wieder eine neue Marathontour in meine Wahlheimat Oslo oder zurück zur Family in Essen auf der Vogelfluglinie vor der Brust habe. Seit immer mehr Direktverbindungen (wie z.B. Torp – Weeze mit Ryanair oder Gardermoen – Düsseldorf mit Norwegian) von Oslos Flughäfen nach Westdeutschland eingestellt wurden, beginnen meine Heimatreisen in den Ruhrpott und ihre Planung mit doch recht begrenztem Budget zu einer immer kreativeren Puzzleaufgabe zu werden.

Ich bastele seitdem begeistert daran herum, vor allem für ausgebuchte Feiertagswochenenden wie oder Ostern oder Pfingsten, schöne Touren gen Norden (oder Süden) auf dem Landweg für mich auszutesten. Zugegebenermaßen ist das, wenn man dann einmal unterwegs ist und nach 18 Stunden wieder einmal mit dem ganzen Gepäck nur knapp einen der vielen Umstiege schafft, ganz schön anstrengend. Vielleicht muss man auch ein bestimmter Typ Reisender sein. Der, der nicht nur auf schnellstem Wege von A ans Ziel will, sondern der auch den Weg zu B, das eigentliche Unterwegssein ansich, schon geniessen kann.

Irgendwo zwischen Deutschland und Dänemark

Irgendwo zwischen Deutschland und Dänemark

Ich muss zugeben, dass ich diese langen Touren selbst richtig mag und sie nicht nur wegen des günstigen Preises in Angriff nehme. Als „Lesehest“ (Lesepferd – das ist das norwegische Pendant zum Bücherwurm!), leidenschaftliche Ausdemfensterguckerin und Freundin langsamen Reisens liebe ich es, bewusst zu erleben wie sich die Landschaften ändern und wie viele Länder, Landstriche und Bundesländer mit ihren eigenen Menschen und Kulturen sich an einem Tag im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“ lassen.¨Auch für Flugangsthasen unter Euch sind die unten aufgelisteten Strecken vielleicht eine praktische Möglichkeit, dem Angstobjekt zu entgehen.

Wenn einem eine Reise von mindestens 19-20 Stunden am Stück dann doch zu tough erscheint, ist es natürlich auch denkbar, eine Teilstrecke zu fliegen, wie z.B. von oder bis Kopenhagen-Kastrup. Kopenhagen ist in der Regel von den Flugkosten her deutlich angenehmer von deutschen Abflughäfen aus als Oslo. Es kommen deutlich mehr Airlines, wie z.B. auch Air Berlin, German Wings oder Eurowings dadurch in Betracht. Hier kommen die Infos, die ich bisher zusammengetragen und auch im Livebetrieb getestet habe.

Lübeck

Zwischenstopp in Lübeck

Praktisches im Überblick

Bisher im Selbstversuch ausprobierte Varianten:

Essen – Hamburg – Kopenhagen – Oslo

Zug von Essen nach Hamburg am frühen Morgen, Umstieg in den Zug nach Kopenhagen mit Fähre ab Fehmarn, Nachtbus von Swebus weiter nach Oslo

Oslo – Kopenhagen – Fehmarn – Lübeck -Essen

Nachtbus von Oslo nach Kopenhagen mit Swebus oder Nettbuss, Zug von Kopenhagen nach Puttgarden mit Fähre ab Rødby, wegen Zwischenübernachtung auf Fehmarn Regionalzug von Puttgarden nach Burg auf Fehmarn, am nächsten Tag weiter im Zug von Burg nach Lübeck, Umstieg in den IC nach Essen

Essen – Hamburg – Kopenhagen – Göteborg – Oslo (die bisher kürzeste Option mit rund 19 Stunden)

In der Nacht / am sehr frühen Morgen Zug von Essen nach Hamburg, Umstieg in den Zug nach Kopenhagen mit Fähre ab Fehmarn, Zug zum Flughafen Kopenhagen-Kastrup, Zug der schwedischen Bahn nach Göteborg, mit Bus4U nach Oslo am selben Tag

München – Berlin – Kopenhagen – Oslo

Flixbus in der Nacht von München nach Berlin, S-Bahn zum Berliner Hbf, Bus der Deutschen Bahn nach Kopenhagen mit Fähre ab Rostock, Nachtbus von Nettbuss weiter nach Oslo

Weitere denkbare Varianten:

  • Zug bis Fredrikshavn (DK)
  • Zug oder Bus bis Kiel

Mögliche Fährüberfahrten:

  • Puttgarden (Fehmarn) – Rødby (Deutsche Bahn)
  • alternativ Rostock – Gedser (Deutsche Bahn Bus)
  • Frederikshavn – Oslo
  • Kiel – Oslo
  • Kopenhagen – Oslo

Mögliche Teilstrecken mit dem Bus:

  • Berlin – Kopenhagen
  • Kopenhagen – Oslo
  • Hamburg – Oslo
  • Malmö – Oslo
  • Göteborg – Oslo

Praktische Zwischenstopps bei der Fahrt über Fehmarn:

  • Hamburg
  • Lübeck
  • Burg auf Fehmarn
  • Kopenhagen
  • Malmö
  • schwedische Westküste mit Highlights wie z.B. Fjällbacka
  • Göteborg

Interessante Anbieter für diese Tour:

 Kosten:

Ab ca. 60 Euro alles zusammen aufwärts mit Bahn-Sparpreis Dänemark oder Schweden ab 39 Euro und Busstrecken ab rund 20 Euro umgerechnet, doch in der Regel zwischen 100 und 150 Euro mit etwas Flexibilität und Geduld. Eine Probebahncard 25 lohnt sich meist schon ab der ersten Tour.

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Alles auf Anfang?

In meinem Kopf und in meinem Herzen spukt mein Projekt „Northloving“ schon lange herum. Aber der Zeitpunkt, an dem es sich nun endlich den Weg aus dem Kopf durch die Tastatur ins Netz bahnt, erscheint mir selbst fast ein wenig unpassend. Es ist nun schon gut 8 Jahre und 5 Monate her, dass ich mit nichts als meinen 2 randvoll gefüllten Köfferchen das Abenteuer „alleine nach Norwegen“ trotzig an Bord einer Norwegian-Maschine von Düsseldorf nach Oslo in Angriff genommen habe. Nicht für 14 Tage, nicht für 3 Monate – das Etappenziel lautete „erstmal für ein ganzes Leben“. Nach allen aktuellen Erkenntnissen zur Verhaltensbiologie des abenteuerlustigen Social Media-Freunds  wäre das nun der ideale Zeitpunkt gewesen, mit dem Bloggen zu beginnen und mein virtuelles Baby als „Ode an den Norden“ laufen lernen zu lassen. Erste atemlose Eindrücke aus dem „gelobten Land (der Wikinger)“ und wahrscheinlich ein unerschöpflicher Fundus an „alle(s) so anders, alle(s) so viel toller und so viel teurer!“. Aber damals gab es für mich nur hier und da ein Check-In auf Facebook oder später viele bunte Alltagsimpressionen auf Instagram (ich bin ChristinaOslo), um mein Leben in Norwegen portionsweise abgepackt für immer einzufrieren. Vielleicht sogar einige Stapel Postkarten von allen meinen nordischen Expeditionen für die richtig wichtigen Menschen im Leben – eingeworfen in rote (Norwegen, Dänemark, Island), weiße (Åland-Inseln),  blau-orange (Finland) oder gelbe (Schweden) Postkästen mit den wahrscheinlich spektakulärsten denkbaren Heimatorten und Hintergrundszenen.

Stürmische Zeiten

Es ist schon komisch, dass ich ausgerechnet jetzt wirklich mit dem Tippen beginne und bereit bin auf den Publish-Button zu drücke. Wo sich alles aufzuribbeln beginnt, wie ein alter (isländischer) Strickpullover und Ungewissheit das einzige ist, auf das man sich noch mit voller Gewissheit verlassen kann. Gerade ist „alles auf Anfang“. Einerseits ein prickelndes Gefühl, nicht zu wissen, wo es in den kommenden Monaten hingeht oder auch ganz praktisch, wo man selbst in den kommenden Monaten hingeht. Es fühlt sich gerade jeder Gedanke an dieses noch recht frische Jahr alles an wie der erste Fallschirmsprung (d.h. so wie ich mir einen solchen rein theoretisch als überzeugter Angsthase vorstelle!). Es könnte passieren, dass der Schirm nicht aufgeht und man mit einem Wahnsinnsspeed ungebremst auf den Boden der Tatsachen knallt. Nennen wir es mal in einer der teuersten Städte der Welt arbeitslos und plötzlich ohne richtige gutbürgerliche Erklärung dafür zu sein, was man denn „hier oben“ alleine so treibt. Es könnte entschieden werden, dass der Flieger wegen der Witterrungsbedingungen umkehren muss, der Fallschirm zusammengepackt wird und dass damit einfach alles bleibt, wie es in den letzten 8 Jahren war. In Oslo wieder einen sicheren und gutbezahlten Job finden, guten Kaffee trinken, schöne Reisen machen und einfach so weiterleben in der gewohnten Auswandererroutine – das wäre fein. Im Idealfall löst der Schirm jedoch aus, ich zögere, doch springe und erlebe das verrückteste Kribbeln im Bauch, während sich unter mir eine ganz neue bunte Welt ausbreitet – ein Neustart mit Adrenalinkick, irgendwo, wo es mir gefällt. Ja, ich habe Lust auf „neu“, aber unter meinen Vorzeichen. Ich habe wirklich Lust, nochmal einen Neustart zu machen, aber bitte hier in meinem Norden oder an irgendeinem Ort, der mich genauso glücklich macht, wie „mein Norden“. War es früher noch ein unbestimmtes Gefühl, mal dahin zu gehen zu wollen, wo es schön ist, ist es nach den Jahre in Norwegen eine sehr sichere Gewissheit, dass ich ohne wilde Natur und hohe Kultur vereint an einem Ort eingehen würde, wie meine eigenen Ikea-Pflänzchen mit ihrem unbarmherzigen Selbstzerstörungsgen.

Anker los?

Meine Gedanken dazu können dramatisch innerhalb eines einzigen Tages wie eine Sinuskurve verlaufen. Oft werde ich wach, muss gleich wieder in der Dunkelheit daran denken, dass ich bald ohne Job dastehe, mitten in der absoluten Hochzeit der norwegischen Ölkrise und zwar als Ausländer. Und daran dass meine Bewerbungsversuche der letzten Monate bisher mehr als kläglich verlaufen. Daran dass der Fallschirm offenbar klemmt. Die guten Jahre, wo in Norwegen jeder einigermassen qualifizierte Deutschsprachige einen Job fand, einfach nur weil er so schön deutsch sprach, sind offenbar kurz nach meiner Ankunft in 2007 vorbeigewesen. Aber das ist Stoff für einen eigenen Artikel! An solchen Tagen, wo der Morgen mit finsteren Grübeleien auf mich losgeht, denke ich mir, dass ich es mir doch so schön einfach machen könnte. Eine Zeitarbeitsfirma anrufen, einen unaufregenden Call-Center-Job in Berlin-Mitte (da habe ich nämlich noch nicht gelebt!) suchen, Sachen packen, heimfahren und komplikationslos unter Leuten leben, die mich in meiner Muttersprache verstehen, und immer das essen und einkaufen können, wonach mein Magen gerade bettelt. Dieser Gedanke ist manchmal für 10 Minuten richtig tröstlich. Dieses nervenberuhigende „wenn alle Stricke reissen, dann…“ …dann gehe ich vielleicht einfach in die coolste Stadt Europas, nach der sich gerade eh alle verzehren, und werde es da sicher auch cool haben, wenn ich mich nur drauf einlasse!? Nach all den irritierenden Bewerbungserfahrungen hier in Oslo finde ich die Idee, auf dem Weg des geringsten Widerstandes zurück nach Deutschland zu wandern, oft gar nicht mehr so schlimm. Kaum eine Stunde später – vielleicht nachdem ich auf dem Weg zu meinem Noch-Job mit dem Bus am Oslofjord vorbeigefahren bin und die Halbinsel Bygdøy zufrieden in rosafarbenem Morgenlicht habe aufwachen sehen – würde ich hingegen alles, wirklich alles dafür tun, meinen Traum hier im Norden weiterleben zu können. Nicht auf Biegen und Brechen in Oslo. Aber irgendwo in meinem Lieblingsstädtedreieck Oslo – Stockholm – Kopenhagen. Oder vielleicht in einem kleinen Nest auf den Lofoten.

Wir werden sehen – skal vi se… Im Moment hat man mich schon bestimmt und leicht unsanft vom Gate durch die Tür geschoben, ich habe ich den Fallschirm auf dem Rücken und das kleine, alte Flugzeug holpert langsam Richtung Startbahn. Anschnallen, durchstarten und dann alles auf Anfang!

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